Handball: Gedanken zur anstehenden Weltmeisterschaft und der Sportart selbst

Am kommenden Donnerstag ist es so weit: Die Handball-Weltmeisterschaft, die diesmal in Deutschland und Dänemark stattfindet, beginnt, was für mich, der diesen Sport 25 Jahre lang aktiv betrieben hat, natürlich ein ganz besonderes Highlight ist. Dazu kommt: Ich bin live dabei und schaue mir zwei Spiele in der Halle an. Somit herrscht bei mir selbstverständlich eine große Vorfreude.

Trotzdem ist es so, dass ich mir derzeit mehr denn je Sorgen um „meinen“ Sport mache. Zum einen kommt vor so einem Turnier immer die Frage auf: Macht es eigentlich Sinn, dass eine sportliche Großveranstaltung mitten in der laufenden Saison stattfindet? Hier ist die Antwort, die zumindest ich geben kann, keine ganz eindeutige. Natürlich ist es immer ratsam, den Fußball-Großereignissen, die in der Regel im Sommer angesetzt sind, irgendwie aus dem Weg zu gehen, um nicht Zuschauer zu verlieren und medientechnisch im Schatten zu stehen – aber muss das jedes Jahr der Fall sein?

Und ist es nicht so, dass der Ligabetrieb vor allem in der deutschen Bundesliga, der früher immer das Prädikat anhaftete, die stärkste Liga der Welt zu sein, unter einem Turnier im Januar leidet? Die Spieler hierzulande haben am 27. Dezember mit ihren Teams noch ein Bundesliga-Spiel absolviert und sind wenige Tage später direkt zu ihren Nationalmannschaften, die Vorbereitungslehrgänge durchführen und sich vorbereiten müssen, gereist. Regeneration? Fehlanzeige – und das nach 19 Spieltagen mit zumeist hoher Intensität in Deutschlands handballerischer Beletage.

Da sind wir schon beim zweiten Thema: der Überbelastung der Spieler, die in Deutschland aktiv sind. Ja, vor einigen Jahren haben sich hier in der ersten Liga die besten Spieler der Welt getummelt, das Niveau war atemberaubend hoch – aber aufgrund des vollen Terminkalenders mit Spielen in Liga, Pokal, europäischen Vereinswettbewerben und für die Nationalteams sind viele Akteure ins Ausland abgewandert. Dort wird auch gut verdient, die Ligen sind kleiner und weniger ausgeglichen – und die Belastung kann so bedeutend besser gesteuert werden.

Dazu kommt: Beim Herrenhandball gibt es jeden Januar (!) eine Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft und nicht, wie beim Fußball, im Wechsel jeden zweiten Sommer. Das sorgt nicht nur für körperliche Belastung, sondern auch für psychische, schließlich muss der Fokus jeden Winter auf Knopfdruck vom Verein auf das Land wandern und anschließend ohne nachfolgenden Urlaub wieder zurück, da am 27. Januar nach dem WM-Finale nur wenige Tage Zeit bis zum nächsten Bundesliga-Spiel am 7. Februar bleiben.

Zu diesen Gedanken rund um den Profibereich kommen auch noch solche zur Basis, denn: Auf Amateurniveau geht die Zahl der Mannschaften stetig zurück, Ligen müssen zusammengelegt oder gestrichen werden, das Niveau verwässert so mehr und mehr, Schiedsrichter in unteren Ligen fehlen. Und hier hängen Amateur- und Profibereich doch ganz untrennbar zusammen, denn die Probleme der Basis – so sehe ich das zumindest – haben etwas mit dem professionellen Sport zu tun.

Sicherlich benötigt eine Nationalmannschaft immer leistungsstarken Nachwuchs, um auf Dauer überlebensfähig zu sein. Aber: Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild eines Landes und wenn sich auf Dauer Erfolge einstellen, dürfte auch die Basis davon profitieren, da mehr Eltern ihre Kinder in den Vereinen anmelden werden. Langfristigkeit ist somit ein ganz entscheidendes Stichwort, denn langfristige Erfolge helfen dabei, den Nachwuchs zu begeistern.

Das ist aber nicht alles: Eine Entzerrung des internationalen Spielkalenders wäre ebenfalls wünschenswert – und auch das Ehrenamt spielt eine elementare Rolle, denn nur mit zumeist ehrenamtlichen und engagierten Trainern und Übungsleitern werden die Kinder in den Jugendmannschaften begeistert – und sorgen so dafür, dass ich mir um „meinen“ Sport bald vielleicht keine Sorgen mehr machen muss.

Die Sportart Handball begeistert viele Menschen, hat derzeit hierzulande aber auch mit Problemen zu kämpfen. Fotos: pixabay.com