Handball-Weltmeisterschaft begeistert die Zuschauer

Die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark ist seit einigen Tagen in vollem Gange – und ich habe mir am vergangenen Wochenende in Berlin selbst einen Eindruck verschafft, wie das Großturnier hierzulande angenommen wird. Beim Gedanken an vergangene Welt- oder Europameisterschaften habe ich oft Bilder von halbleeren Sporthallen vor Augen – zumindest dann, wenn nicht gerade der Gastgeber aktiv war.

Teilweise wurde bei den Fernsehübertragungen damals sogar davon gesprochen, dass Freikarten an Schüler oder das Militär verteilt wurden, um für eine einigermaßen ansprechende Kulisse zu sorgen. Bei diesen Titelkämpfen, habe ich festgestellt, sieht diese Sache komplett anders aus. Klar, Deutschland ist sicherlich eines der Länder auf dieser Welt, wo eine große Akzeptanz und eine entsprechende Begeisterung für diese Sportart vorhanden sind.

Dass aber auch, wenn Deutschland nicht aktiv beteiligt ist, eine positive Resonanz herrscht, ist nicht selbstverständlich. Ich hatte Karten für die Begegnungen zwischen Russland und Serbien sowie von Brasilien und Frankreich in der Berliner Mercedes-Benz-Arena und alleine schon die Halle ist natürlich super. Mehr als 9000 Zuschauer bekamen zuerst ein sehr spannendes Spiel zwischen Russen und Serben geboten.

Beide Teams hätten gewinnen können, schlussendlich gab es ein Unentschieden. Anschließend kreuzten Frankreich und Brasilien die Klingen – und die Stimmung in der Arena war noch ein bisschen besser als zuvor. Das lag aber nicht daran, dass beide Teams so unglaublich viele Fans mitgebracht hätten, sondern am feinen Gespür der eigentlich neutralen Zuschauer. Vor allem Außenseiter Brasilien schien diese Stimmung zu beflügeln und bis zum Schlusspfiff war es entsprechend eng. Besonders erwähnenswert ist, dass in der Mehrzahl deutsche Besucher vor Ort waren.

Das spricht dafür, dass die Veranstaltung angenommen wird und sich vielleicht auch wieder echte Begeisterung für diesen so attraktiven Sport entwickeln könnte. Dazu muss natürlich auch die deutsche Nationalmannschaft beitragen – und bislang ist das der Truppe außerordentlich gut gelungen. Gab es im Vorfeld die eine oder andere Irritation, vor allem nach der Nichtnominierung von Tobias Reichmann, feierte das DHB-Ensemble zwei deutliche Siege zum Auftakt.

Viel wichtiger aber: Die Mannschaft hat es geschafft, das Publikum mitzunehmen und echte Begeisterung zu entfachen. Dazu kommt, dass Spiele im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sind, was den Sport auch den Menschen näherbringen könnte, die sich vielleicht nicht sonderlich dafür interessieren.

Geht es so weiter, kann so wieder echte Handballeuphorie entstehen, vielleicht ist auch wieder ein Wintermärchen wie 2007 möglich. Ich glaube jedenfalls daran und hoffe darauf – schließlich besteht durch Erfolge der Nationalmannschaft auch wieder die Chance, die Basis zu stärken, Kinder für die Sportart Handball zu begeistern und so die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen.

Bei der diesjährigen Handball-WM spielen die Mannschaften in gut gefüllten Arenen. Fotos: © Rouven Theiß