„Unsere Aufstiegsserie ist im deutschen Tennis einmalig!“

„Wunder gibt es immer wieder“ war schon in den Siebzigerjahren in einem bekannten Schlager zu hören. Sportlich gesehen hat der TuS Sennelager in den vergangenen sieben Jahren regelmäßig Wunder vollbracht. Siebenmal in Serie stiegen die Tennisherren der Schwarz-Gelben aus dem Paderborner Vorort, die 2012 noch in den Niederungen der Bezirksklasse unterwegs waren, auf – und das bis in die 1. Bundesliga.

Am kommenden Sonntag, 7. Juli, steht nun vorerst der Höhepunkt des modernen Tennismärchens auf dem Programm, wenn der TuS, der mittlerweile als Team Hämmerling TuS Sennelager aufschlägt, als Aufsteiger zum Auftakt der Erstligasaison den amtierenden deutschen Meister TK GW Mannheim empfängt. „Unsere Aufstiegsserie ist im deutschen Tennis einmalig – und wird es in dieser Form sicherlich auch nicht mehr geben. Als damals alles angefangen hat, haben wir nicht damit gerechnet, irgendwann in der Bundesliga zu landen“, sagt Marc Renner in seiner Funktion als Sportlicher Leiter des TuS.

Zur Gewohnheit, das haben die vergangenen Jahre gezeigt, ist dabei schon geworden, dass Sennelager als Außenseiter – diesmal als ganz krasser mit einem Etat von gerade einmal rund 100.000 Euro, die meisten anderen Teams haben das Fünffache zur Verfügung – in die Serie startet. Der Blick auf die Meldeliste unterstreicht das: Während Mannheim an Position eins den österreichischen Superstar Dominic Thiem, der in der ATP-Rangliste auf Platz vier steht, gemeldet hat und auch dahinter mit Dusan Lajovic (ATP 33), Radu Albot (ATP 41) und Federico Delbonis (ATP 76) echte Hochkaräter ins Rennen schickt, sieht das in der Domstadt anders aus.

Der topgesetzte Slowake Jozef Kovalik rangiert derzeit in der Weltrangliste auf Platz 169, Antoine Hoang an zwei zumindest auf Platz 103 und Norbert Gombos, die Nummer drei, ist im weltweiten Ranking an Position 161 notiert. Aber: Teamchef Marc Renner ist es in den vergangenen Jahren regelmäßig gelungen, aufgrund seiner exzellenten Kontakte in der Tennisszene eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die vor allem durch Zusammenhalt überzeugte.

Das betont auch Ralf Hämmerling, Hauptsponsor und stellvertretender Vorsitzender sowie einer der Väter des Erfolgs des TuS Sennelager: „Wir sind der Underdog, rechnen uns aber eine kleine Chance auf den Klassenerhalt aus. Denn wir haben einen tollen Teamgeist. Und mit dem kann man Außergewöhnliches schaffen.“ Dazu kommt: Marc Renner und seine Mitstreiter haben in Paderborn nicht nur einen Bundesligisten aus der Taufe gehoben, sondern auch die Strukturen und das Umfeld bewusst mitwachsen lassen. So finden die Heimspiele nicht mehr auf der kleinen Dreiplatzanlage in Sennelager statt, sondern, dank einer Kooperation, beim Paderborner TC BR. Zudem spielt die zweite Mannschaft mittlerweile in der Westfalenliga.

„Wir wollen hier bewusst keine Eintagsfliege haben, sondern langfristig und nachhaltig etwas aufbauen“, hält Marc Renner fest. Einen ganz entscheidenden Schachzug stellt dabei sicherlich die Verpflichtung von Trainer Marius Kur (Foto oben) dar. Der war als Junior einst auf der internationalen Tour unterwegs und hat nach seiner Karriere mit Carolin Daniels die Tennis-Base Germany aufgebaut, die seit einiger Zeit einen Stützpunkt in Paderborn hat. „Dort trainieren unsere Profis regelmäßig“, so Renner.

Der Lohn dieser durchdachten Arbeit: Beispielsweise der bereits angesprochene Franzose Antoine Hoang, der bereits vor zwei Jahren in der Regionalliga für Sennelager zum Schläger gegriffen hatte, ließ unlängst bei den French Open aufhorchen, schaltete dort in den ersten beiden Runden mit Damir Dzumhur und Fernando Verdasco zwei Top-100-Spieler aus und musste erst in der dritten Runde gegen seinen Landsmann Gael Monfils die Segel streichen.

„Antoine haben wir vor zwei Jahren als Nummer 500 der Welt und Talent verpflichtet und ihn weiterentwickelt. Diese Philosophie der Weiterentwicklung von jungen Spielern hat maßgeblich zu unseren Erfolgen beigetragen – und die werden wir auch beibehalten“, erklärt Marc Renner und fügt an: „In dieser Spielzeit sind wir in fast jedem Spiel in der Außenseiterrolle und wollen das Erlebnis Bundesliga einfach nur genießen. Ab dem kommenden Jahr wollen und müssen wir uns dann, ganz egal wie es am Ende ausgeht, breiter aufstellen, um die Last von Organisation und Management auf mehrere Schultern zu verteilen.“

Macher mit besten Kontakten in der Tennisszene: Marc Renner, Sportlicher Leiter des TuS Sennelager. Fotos: © Rouven Theiß