Sind die Gehälter von freien Journalisten fair?

Sind die Gehälter von freien Journalisten fair? Wer freiberuflich im Medienbereich arbeitet, wird irgendwann mit dieser Frage konfrontiert und muss sich mit dem Thema Bezahlung auseinandersetzen. Aber: ist tatsächlich alles so ungerecht, wie oft behauptet und erklärt wird?

Die Antwort darauf lautet: in Teilen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) führt auf diesem Sektor regelmäßige Umfragen durch. 2014 kam bei dieser Umfrage zum Beispiel heraus, dass die freien Journalisten in Deutschland im Schnitt nur knapp 2200 Euro pro Monat verdienen – und das brutto. Wie der DJV damals erklärte, sei das nur rund die Hälfte des Einkommens von angestellten Kollegen.

Interessant sind auch die Unterschiede im Bereich des Einkommens, wenn man auf die einzelnen Mediengattungen schaut. Nur 1395 Euro brutto, hat der Journalisten-Verband herausgefunden, gibt es im Schnitt für die Freien, die vorrangig für Zeitungen arbeiten. Verwunderlich ist das angesichts oft mickriger Zeilenpauschalen nicht wirklich. Mit dem Einkommen einhergehend ist selbstverständlich auch die Zufriedenheit.

Sehr unzufriedene freie Journalisten verdienen demnach um die 1130 Euro pro Monat, unzufriedene Journalisten etwa 1800 Euro, Zufriedenheit stellt sich, laut DJV, bei rund 3000 Euro monatlich ein. Warum freie Journalisten, trotz der Tatsache, teilweise unzufrieden zu sein, für Beträge wie 1130 Euro brutto pro Monat arbeiten, kann sich mancher Arbeitnehmer aus anderen Branchen vielleicht nicht erklären.

Das hängt aber mit einer großen Begeisterung für den Journalistenberuf zusammen. Für viele ist die Freiberuflichkeit ein echter und gelebter Traum und unter Umständen hofft der eine oder andere trotz schlechter Auftragslage oder ausbaufähiger Bezahlung darauf, dass für ihn persönlich bald bessere Zeiten kommen.

Klar ist: Freie Journalisten sind eine unverzichtbare Stütze der Branche, übernehmen Termine, auf die manch Festangestellter vielleicht nur wenig Lust hat, recherchieren, fotografieren, bereiten Themen für verschiedene Zielgruppen (Printtexte, Onlineartikel, Videos etc.) auf – und das sollte selbstverständlich ordentlich honoriert werden.

Doch was hilft, damit die Gehälter von freien Journalisten zukünftig fair sind? Verhandeln. Natürlich ist es oft so, dass es bei verschiedenen Medien vorab festgelegte Pauschalen für Texte, Stunden oder ganze Tage gibt und die nicht verhandelbar sind. Hier muss man sich dann selbst die Frage beantworten, ob der aufgerufene Pauschalsatz fair und akzeptabel ist oder eben nicht. Aber: Oft genug besteht auch die Möglichkeit, zu verhandeln – diese Erfahrung mache ich regelmäßig.

Viele Kollegen reden zwar nicht gerne über Geld und verhandeln ebenfalls nicht gerne, es ist aber wichtig, den eigenen Wert am Markt und den Wert der geleisteten Arbeit genau zu kennen – und damit auch einen Stunden- oder Tagessatz aufrufen zu können, den ich ganz persönlich benötige, um davon leben zu können.

Für Verhandlungsgeschick wirbt auch Freischreiber, der Berufsverband für freie Journalisten – und hat unter www.wasjournalistenverdienen.de eigens dafür eine Website ins Leben gerufen. Auf dieser Seite haben Journalisten die Möglichkeit, anonym anzugeben, welche Honorare bei den diversen Zeitungen, Magazinen oder Verlagen bezahlt werden. Ziel ist, eine Datenbank aufzubauen, auf deren Grundlage Journalisten in die Honorarverhandlungen gehen können. Damit sollen in Zukunft gerechtere Honorare für allen Kollegen der Normalfall sein.

Für viele freie Journalisten ist ihr Beruf gleichzusetzen mit der Erfüllung eines echten Traumes, der nun gelebt wird. Fotos: Bruno Glätsch/Pixabay (oben); StartupStockPhotos/Pixabay (unten)